Software für Pflege kommt aus Garrel

Software für Pflege kommt aus Garrel

Messeauftritt: Die Altenpflegemesse ist auch im Jubiläumsjahr das zentrale Ereignis. Mit dabei sind (von links) Sandra Kramer, Maik Kaiser, Ute Pöhlmann, Ludger Dieker, Sascha Juckniess, André Beckmann, Ralf Siemer, Sandra Wulf, Bastian Fabrewitz, Thea Baumann, Holger Willenborg.

Messeauftritt: Die Altenpflegemesse ist auch im Jubiläumsjahr das zentrale Ereignis. Mit dabei sind (von links) Sandra Kramer, Maik Kaiser, Ute Pöhlmann, Ludger Dieker, Sascha Juckniess, André Beckmann, Ralf Siemer, Sandra Wulf, Bastian Fabrewitz, Thea Baumann, Holger Willenborg.

DM EDV feiert 25-jähriges Jubiläum

In einer älter werdenden Gesellschaft besitzt der Pflegebereich Wachstumspotenzial. Der Software-Entwickler aus Garrel hat dies frühzeitig erkannt und sich spezialisiert.

„Der Ursprung der Firma liegt hier in Garrel, in einem kleinen Ladenlokal in der Beverbrucher Straße”, erinnert sich Ralf Siemer, Mitglied der Geschäftsleitung der DM EDV und führender Vertriebsmitarbeiter. Die Software-Firma hat sich auf Pflege spezialisiert und in 25 Jahren über 1900 Mandanten gewinnen können. Der neueste Coup: Alle dreizehn Standorte der Römergarten Residenzen GmbH in Rheinland-Pfalz, Hessen und Baden-Württemberg arbeiten mit der Spezialsoftware aus dem Oldenburger Münsterland – inklusive Spracherkennung. Ziel ist eine Reduzierung des Verwaltungsaufwands und ein Mehr an Zeit für die Pflegebedürftigen.

Angefangen hat alles mit einem kleinen Team von fünf Leuten. „Wir haben damals für mittelständische Unternehmen aus der Region Programme für den Warenwirtschaftsbereich entwickelt”, so Siemer weiter, „um Kunden und Artikel zu verwalten sowie Rechnungen zu schreiben. Bald sind die ersten caritativen Einrichtungen auf uns zugekommen, die Unterstützung brauchten.” Viele arbeiteten Anfang der 1990er Jahre noch mit einfachen Textverarbeitungsprogrammen. „Also haben wir ein Warenwirtschaftsprogramm umstrukturiert und für eine Sozialstation neu entwickelt.” Offiziell gründeten Ludger Dieker aus Garrel und Siegfried Müller aus Wildeshausen 1993 die DM EDV.

Programmentwicklung: Jonah Rehfeld (links) und Niklas Lampe konzentriert am Arbeitsplatz.

Doch die Pflegebuchführungsverordnung 1995 auch die Nachfrage stark an, da die sozialen Einrichtungen detaillierter und anders dokumentieren und abrechnen müssten.

Das war der Beginn einer Erfolgsgeschichte: Mit einer eigens für Pflegeeinrichtungen programmierten Software „zog man über Land” und stellte es verschiedenen sozialen Einrichtungen vor. Zu den Kunden gehören heute ambulante Pflegedienste, Tageskurzzeitpflege oder betreutes Wohnen sowie vollstationäre Einrichtungen. Und für jeden Kunden wird die Software maßgeschneidert angepasst. Von Teilbereichen wie der Stammdateiverwaltung mit Abrechnung, der Pflegedokumentation und Personalplanung über Lohnbuchhaltung bis hin zu Komplettlösungen.

Dabei sei der DM EDV eines von Anfang an wichtig: der stetige Kontakt mit dem Kunden, wie der ebenfalls im Vertrieb tätige Bastian Fabrewitz betont. „Die bei uns entwickelten Programme gehen immer erst einmal beim Kunden über den Tisch. Denn wir wollen genau wissen, was der Kunde braucht und was in der Praxis unterstützt.

Da sie es selbstverständlich, dass der Supportbereich eine zentrale Stellung im Unternehmen einnimmt. Keine Rolle spiele dabei, ob das Problem mit der Software zusammenhänge oder mit dem nicht in jeder Region optimal ausgebauten Glasfasernetz. „Geht nicht, gibt es nicht”, betonen beide Software-Spezialisten. Bei mittlerweile 200 Mitbewerbern in der Software-Pflege-Branche müsse man sich etwas einfallen lassen.

Zu den großen Kunden gehören unter anderem die Diözese Osnabrück mit ihren caritativen Einrichtungen und die Römergarten GmbH. Hier werden die Programme aus Garrel für die Pflegeplanung und deren Dokumentation organisiert. Und auch die Diensteinteilung inklusive Überstundenabbau, Urlaubsplanung sowie Krankheits- und Abwesenheitsquote verwaltet ein Programm aus dem Oldenburger Münsterland.

Datenzentrale: Mitarbeiter Valerius Brug zeigt das Herz der Firma, die zentralen Server von DM EDV.

Erprobt werde noch die intelligente Spracherkennungsfunktion. „Es ist faszinierend, mit welcher Genauigkeit und Geschwindigkeit man mit der Spracherkennung arbeiten kann. Und auch die Lernfortschritte des Systems sind enorm”, freut sich Andreas Kupfer, Leiter der Residenz in Bingen. Die Software basiert auf der sogenannten Deep-Learning-Technik. Sie passt sich der Stimme und den Umgebungsveränderungen fortlaufend an und lernt – bereits während des Diktats.

Die Spracherkennung hat die DM EDV auch auf der wichtigsten Veranstaltung des Jahres, der Altenpflegemesse Anfang März, präsentiert. Das 25-jährige Firmenjubiläum feierten alle Mitarbeiter jetzt mit einem internen Betriebsfest. Und die Kunden sowie alle potenziellen Interessenten bekommen eine 20-seitige Jubiläumsbroschüre.

Aktuell hat die DM EDV sechs Auszubildende, vom Bürokaufmann bis zum IT-Systemkaumann sowie einen „dualen” Studenten. „Neben der Ausbildung legen wir viel Wert auf Weiterbildung,” so Fabrewitz, „damit wir nicht auf externes Fachpersonal angewiesen sind.”

Denn das Problem, gute Leute zu holen, kennt man auch in Garrel. „Wir haben viele Quereinsteiger”, sagt Siemer. Das Interesse ist groß in der Pflegebranche. Es sind hier andere finanzielle Voraussetzungen als in München, aber die Lebensqualität wiegt alles auf.”

 

Zeitungsartikel Münsterländische Tageszeitung
Autor/Fotos: Gabriele Henneberg